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Constantin Brancusi (1876–1957) gilt als Begründer der modernen Skulptur. Nach akademischen Anfängen in Rumänien verlässt er seine Heimat, um sich in Paris niederzulassen. In der französischen Hauptstadt findet er ab 1907 zu seinem ganz eigenen künstlerischen Ausdruck, mit dem er die Bildhauerei der Zeit revolutioniert.
Auf der Suche nach der idealen Form beschränkt sich der Künstler auf formale Variationen weniger Motive, bei denen er mit wechselnden Materialien und Oberflächen spielt. Teilweise über Jahrzehnte hinweg entwickelt er Themen wie Kuss, Schlafende Muse oder Vogel im Raum weiter. Oft geht dies mit einem zunehmenden Abstraktionsprozess einher. Das Fragmentarische und eine radikale Vereinfachung der Form sind zentrale Elemente seiner Kunst. Brancusi erschafft seine Skulpturen in taille directe, also direkt aus dem Material heraus. Dabei ist für ihn die Bearbeitung der Oberfläche fundamental: Indem er sie poliert, lässt er teils hochglänzende, reflektierende Flächen entstehen, die unterschiedliche Lichteffekte und Materialwirkungen hervorrufen. Für die Präsentation seiner Werke nutzt Brancusi eigene Sockel, die häufig aus mehreren aufwendig gestalteten Elementen bestehen. Für ihn sind sie nicht nur Präsentationshilfen, sondern gehören zur Skulptur dazu.
Schon früh bezieht Brancusi Licht und Bewegung ein, um seine Skulpturen zu inszenieren. Diese „Verlebendigungen“ hält er in Fotografien und Filmen fest. Ab den 1920er-Jahren präsentiert er seine Werke vorrangig in seinem Atelier in der Impasse Ronsin in Paris. Es ist für ihn nicht nur ein Ort der Arbeit, sondern gleichermaßen Ausstellungs- und Lebensraum. Hier treffen Freund*innen, Künstler*innen und Sammler*innen aufeinander. Brancusi betrachtet sein Atelier als eigenständiges Kunstwerk. Mit seinem Tod im Jahr 1957 vermacht er es mit seinem gesamten Bestand dem französischen Staat.
Dieses herausragende Ensemble gehört heute zum Centre Pompidou in Paris. Wir zeigen eine Teilrekonstruktion des Ateliers mit Brancusis Werkzeugen und Möbeln. Sie bildet neben Hauptwerken des Künstlers das Herzstück unserer Retrospektive, der ersten, die ihm seit über fünfzig Jahren in Deutschland gewidmet ist. Umgeben wird dieser Raum von einer umfangreichen Auswahl an Objekten, Dokumenten, Fotografien und Filmen, die gleich einer illustrierten Biografie von Arbeit und Leben des Ausnahmekünstlers erzählen. (Ausstellungstext, Neue Nationalgalerie )